Sten i Skomagergade - historischer Stadtrundgang in Roskilde
Sten i Skomagergade führt durch die historische Innenstadt von Roskilde. Der Rundgang beginnt am Stændertorvet und verläuft weiter durch die Skomagergade. Besondere Bodenplatten markieren die 15 Stationen. Geschichten über Kaufleute, Handwerker, mittelalterliche Fürsorge und prägende Persönlichkeiten verbinden die Straßen und Häuser mit dem Leben früherer Jahrhunderte. Auch unter dem heutigen Pflaster liegen Spuren der Stadtgeschichte.

Stændertorvet: ein Wohltäter, ein Brunnen und ein Kaufmannshof
Der Stadtrundgang beginnt am Stændertorvet. Seine 15 nummerierten Stationen folgen den historischen Bodenplatten vom Platz durch die Skomagergade. Die Geschichten erzählen von Gebäuden im heutigen Straßenbild, aber auch von verschwundenen Häusern und Spuren unter dem Pflaster.
1. Der große Wohltäter der Stadt
Der Weber und Kaufmann O.H. Schmeltz erwarb 1864 das Anwesen Stændertorvet 6. Mit seinem Vermögen unterstützte er unter anderem das Rathaus, den Brunnen und später den Stadtpark Byparken. Er setzte Roskilde als Erbin ein, allerdings mit einer ungewöhnlichen Bedingung: Sein Geld durfte keinen Sport fördern, weder an Land noch auf dem Wasser.
2. Der Brunnen
Schmeltz schenkte der Stadt 1895 den Brunnen. Architekt Mørk-Hansen übernahm die Rosen und Adlerköpfe aus Roskildes mittelalterlichem Stadtwappen. Als 1908 das Gebäude zwischen Rådhustorvet und Nytorv abgerissen wurde, entstand eine zusammenhängende Platzfläche. Zugleich öffnete sich der Blick auf den Dom zu Roskilde.
3. Der Kaufmannshof am Stændertorvet 2
Peder Kornerup gründete den Kaufmannshof 1750. Später gehörte das bis zur Bredgade reichende Anwesen der Familie Borch. Wohnhaus, Laden und Gasthof standen neben landwirtschaftlichen Gebäuden, Brennerei, Brauerei und Holzhandel. Der Hof veranschaulicht den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Einfluss der großen Kaufmannsfamilien.
Rund um die Gullandsstræde: Fürsorge, Badestuben und Prinsessen
4. Das Heiliggeist-Haus an der Skomagergade 2
Im Mittelalter versorgten wohltätige Einrichtungen arme, kranke und alte Menschen. Bischof Jacob Erlandsen sicherte 1253 die wirtschaftliche Grundlage eines Heiliggeist-Hauses im Stadtzentrum durch Grundstücke, eine Mühle und kirchliche Einkünfte. Die Einrichtung bestand westlich der Skt. Laurentii Kirke bis zum Ende des Mittelalters.
5. Gullandsstræde
Der frühere Straßenname Dampestræde weist auf mittelalterliche Badestuben hin. Neben dem Baden gehörten auch Haarpflege und Aderlass zu ihren Angeboten. Der heutige Name stammt vom Wirtshaus Gulland. Bei der Straßenverbreiterung 1951 verschwanden mehrere Fachwerkhäuser und Brauereigebäude. Alte Nebengebäude des Kaufmannshofs blieben erhalten.
6. Prinsessen an der Skomagergade 1
Das Eckhaus an der Gullandsstræde wurde 1878 für den Brauer N.P. Nielsen gebaut. Architekt Ove Petersen entwarf auch das Hotel Prindsen. Die Ähnlichkeit mit dem größeren Hotel brachte dem Haus den Beinamen Prinsessen, „die Prinzessin“, ein. Nielsen wohnte hier mit seiner Familie und betrieb seine Brauerei in den Gebäuden entlang der Gasse.
In der Skomagergade: Poststation, altes Pflaster und Scharfrichter
7. Die alte Poststation an der Skomagergade 15
Nach dem Stadtbrand von 1735 entstand hier der Gasthof Hamburg Herberg. Ab 1780 diente er auch dem Post- und Personenverkehr und wurde als Postgården bekannt. Zu den Gästen gehörte Hans Christian Andersen. Mit der Eisenbahn ab 1847 veränderte sich das Reisen. Später zog das Postamt näher an den Bahnhof. Das alte Gebäude wurde 1964 abgerissen.
8. Das älteste Pflaster an der Skomagergade 19
Etwa zwei Meter unter der heutigen Straße liegt ein Pflaster, das vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammt. Es besteht aus Kalktuff, einem porösen Quellkalk. Der Verkehr zerrieb seine Oberfläche. Spätere Straßenbeläge wurden aus anderen Steinen angelegt und zeigen, wie die Straße Schicht für Schicht höher wurde.
9. Der Scharfrichter an der Skomagergade 26
Von 1719 bis 1808 wohnte Roskildes Scharfrichter hier. Zu seinem Amt gehörten Hinrichtungen und andere öffentliche Strafen. Die letzte Amtsinhaberin war die Witwe von Johan Ingemann. Sie führte die Aufgaben nicht selbst aus, sondern beauftragte den Scharfrichter aus Kopenhagen. Nach ihrem Tod wurde das Amt in Roskilde aufgehoben.
10. Karen Olsdatters Stræde
Wer Karen war, ist unbekannt. Eine Grundstücksbewertung von 1682 nennt die Straße Karen Olufsdatters Stræde. Ihr Verlauf stammt aus dem Mittelalter. Bei Ausgrabungen fand das Roskilde Museum 1981 etwa anderthalb Meter unter dem heutigen Niveau eine ältere, mit Reisiggeflecht befestigte Straße.
Zum westlichen Straßenende: Bürger, Kirchen und Schuhmacher
11. Färber Svane an der Skomagergade 36
Färbermeister Th. Hagedorn Svane ließ das Haus 1836 errichten. Er engagierte sich in der Stadtpolitik, gründete eine Sparkasse mit und vertrat Roskilde in der Ständeversammlung der dänischen Inseln. Auf dem Hinterhaus, der ehemaligen Färberei, befindet sich eine Wetterfahne in Schwanenform.
12. Gräfin Danner an der Skomagergade 40
Louise Rasmussen wohnte 1839 beim Kerzenzieher Hancke. Der Drucker Carl Berling hatte die Unterkunft vermittelt, während er die politischen Debatten der Ständeversammlung in Roskilde verfolgte. Später heiratete Louise Rasmussen König Frederik VII. und erhielt den Titel Gräfin Danner.
13. Skt. Budolfi Kirke an der Skomagergade 31
Die mittelalterliche Kirche stand nahe der Ecke zur Ringstedgade. Vermutlich wurde sie um 1100 erbaut und nach einem Brand 1523 abgerissen. Reste der Kalktuffkirche liegen unter dem Pflaster und einem Nachbargrundstück. Die geschützte Ruine wurde bislang nicht vollständig archäologisch untersucht.
14. Ein Kanonikerhaus an der Skomagergade 46
Als Christian I. 1459 die Dreikönigskapelle im Dom zu Roskilde stiftete, kaufte er auch ein Wohnhaus für den zugehörigen Kanoniker, einen Geistlichen des Doms. Zum Grundstück an der Blågårdsstræde gehörten ein Obstgarten und ein Fischteich. Das Haus wurde 1642 oder kurz danach abgerissen.
15. Die Straße der Schuhmacher
Die letzte Station erklärt den Straßennamen. Im 14. Jahrhundert lebten und arbeiteten 21 Schuhmachermeister in der Skomagergade. Ihre Zunft regelte die Qualität des Handwerks und den Wettbewerb unter den Meistern. Zugleich unterstützte sie Mitglieder und Familien bei Krankheit oder einem Todesfall.
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